Weheüberleitung
Im Rahmen des Projekts „Weheüberleitung“ soll ein rund 5 km langer Wasser-Überleitungsstollen vom Hasselbach zur Wehebachtalsperre gebaut werden. Der Stollen beginnt an der Jägerhausstraße oberhalb von Zweifall und mündet an der Stauwurzel des Roten Wehebachs in die Talsperre. Er weist ein Gefälle von etwa 0,25 % auf, hat einen Innendurchmesser von rund 3,5 m und kann bis zu 12 m³/s Wasser überleiten. An seinem Anfang entsteht ein Entnahmebauwerk im Hasselbach, an seinem Ende ein Einleitbauwerk an der Talsperre. Das Wasser soll im freien Gefälle durch den Stollen geleitet werden; der Stollen wird mit einer Tunnelvortriebsmaschine aufgefahren. Die Maßnahme wird derzeit geplant und soll bis Ende 2029 abgeschlossen sein.
- Was ist die Weheüberleitung und welches Ziel verfolgt das Projekt?
Das Projekt sieht den Bau eines etwa fünf Kilometer langen Überleitungsstollens vor, der das Wasser des Hasselbachs in die Wehebachtalsperre leitet. Ziel ist es, zusätzliches Rohwasser für die Trinkwasserversorgung bereitzustellen und gleichzeitig bei Hochwasser gezielt Wasser abzuleiten, um die Unterlieger Zweifall, Stolberg und Eschweiler zu schützen. Damit erhöht das Vorhaben die Versorgungssicherheit und den Hochwasserschutz in der Region.
- Wer ist für das Projekt verantwortlich?
Die Initiative wird von der WAG Wassergewinnungs‑ und ‑aufbereitungsgesellschaft Nordeifel mbH (WAG) und dem Wasserverband Eifel‑Rur (WVER) getragen. Unterstützt werden sie durch verschiedene Fachbüros und Gutachter, etwa für Umweltverträglichkeitsprüfungen, Fischökologie, Artenschutz, Tunnelbau und Vergaberecht.
- Wie funktioniert der geplante Stollen technisch?
Der Stollen verläuft oberhalb von Zweifall zur Stauwurzel der Wehebachtalsperre. Er ist rund 5 km lang, weist ein Gefälle von etwa 0,25 % auf und hat einen Innendurchmesser von ca. 3,5 m. Bei einem Durchflussvermögen von bis zu 12 m³/s fließt das Wasser im Freigefälle – es sind keine Pumpen nötig. Ein Entnahmebauwerk am Hasselbach und ein Einleitbauwerk an der Talsperre sorgen für den Zu‑ und Ablauf des Wassers.
- Warum ist das Projekt für die Trinkwasserversorgung so wichtig?
Die Wehebachtalsperre ist nicht mit anderen Talsperren verbunden und speist sich ausschließlich aus dem eigenen Einzugsgebiet. In den Trockenjahren 2018–2022 sank ihr Anteil an der Gesamtwasserabgabe von 25 % auf 15 %, während die TWA Roetgen bis zu 70 % der Trinkwassermenge bereitstellen musste. Die dort zur Verfügung stehenden Rohwasserressourcen mussten nahezu vollständig in Anspruch genommen werden. Prognosen gehen davon aus, dass der Trinkwasserbedarf in Trockenzeiten um bis zu 20 % ansteigen wird. Der Stollen erschließt zusätzliche Rohwassermengen, entlastet die TWA Roetgen und stabilisiert die Trinkwasserversorgung für den Großraum Aachen/Düren.
- Wie trägt die Weheüberleitung zum Hochwasserschutz bei?
Bei starken Niederschlägen kann der Stollen bis zu 12 m³/s des Hasselbachs in die Talsperre überleiten. Dadurch wird der Hochwasserscheitel eines HQ100 in Zweifall um 74 % der Hochwasserscheitel der Vicht und in den Städten Stolberg und Eschweiler um 15 % reduziert. Durch diese Entlastung werden sowohl Wohngebiete als auch Industrie‑ und Gewerbeflächen vor Überschwemmungen im gefährdeten Gebiet weitergehend geschützt.
- Wie ist der zeitliche Ablauf des Projekts?
Das Planfeststellungsverfahren beginnt mit der Einreichung des Antrags Ende März 2026. Nach der Öffentlichkeitsbeteiligung und Erörterung wird der Planfeststellungsbeschluss voraussichtlich im Sommer 2026 erfolgen. Die Bauaufträge sollen nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens vergeben werden, die Bauarbeiten werden voraussichtlich Mitte 2027 beginnen; die Fertigstellung des Stollens ist bis Ende 2029 geplant.
- Wie wird das Vorhaben finanziert und was kostet es?
Die Gesamtkosten der Weheüberleitung werden auf rund 64 Mio. Euro geschätzt. Ein Antrag auf Bezuschußung im Förderprogramm „Strukturwandel Rheinisches Revier“ ist gestellt. Voraussetzung für die Förderung ist, dass das Genehmigungsverfahren bis Herbst 2026 abgeschlossen und das Bauprojekt bis Ende 2029 realisiert wird. Die nach Abzug der Förderung verbleibenden Kosten tragen WAG und WVER.
- Welche Vorteile bietet der Stollen neben Wasser- und Hochwassersicherheit?
Neben der Versorgungssicherung und dem Hochwasserschutz stärkt das Projekt die Standortattraktivität für wasserintensive Industrien wie die Papierindustrie und Lebensmittel. Da das Wasser im Freigefälle in die Talsperre fließt, wird Rohwasser ohne zusätzlichen Energieeinsatz gewonnen, was die nachhaltige Nutzung der Ressource unterstützt. Im Vergleich zur einem Hochwasserrückhaltebecken im Hasselbachtal ist der Flächenbedarf und die dauerhaften Eingriffe in die Landschaft verschwindend gering.
- Wie werden Anwohnende in die Planung einbezogen?
Wie werden Anwohnende in die Planung einbezogen?
Das Planfeststellungsverfahren sieht eine umfangreiche Öffentlichkeitsbeteiligung vor. Nach Einreichung der Unterlagen Ende März 2026 werden diese öffentlich ausgelegt und betroffene Bürgerinnen und Bürger können Stellungnahmen abgeben. Im Anschluss findet ein Erörterungstermin statt, bei dem Einwendungen diskutiert werden. Darüber hinaus planen WAG und WVER Informationsveranstaltungen und einen kontinuierlichen Dialog mit der Bevölkerung.
- Welche Bauarbeiten sind vor Ort zu erwarten?
Der Stollen wird überwiegend unterirdisch mit einer Tunnelvortriebsmaschine hergestellt. Somit sind die Eingriffe an der Oberfläche gering. Baustellen gibt es hauptsächlich am Entnahmebauwerk am Hasselbach und am Einleitbauwerk an der Stauwurzel des Roten Wehebachs. Während der Arbeiten kann es temporär zu Baustellenverkehr und Lärm kommen; WAG und WVER werden die Belastungen durch geeignete Maßnahmen (z. B. lärmmindernde Technik, Umleitungen) so gering wie möglich halten.
- Sind Grundstücke oder private Flächen betroffen?
Der Stollen verläuft größtenteils in kommunalen oder öffentlichen Trassen und unter Tage, sodass private Grundstücke weitgehend verschont bleiben. Sollte es zu Eingriffen kommen, erfolgt eine Entschädigung gemäß den gesetzlichen Vorgaben.
- Welche Umwelt und Ausgleichsmaßnahmen sind geplant?
Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung werden mögliche Auswirkungen auf Natur und Umwelt untersucht. Spezialisierte Büros wie das Planungsbüro Koenzen und raskin Umweltplanung und Umweltberatung (UVP/Biotopkartierung) sowie BUGeFi (Fischökologie) begleiten das Verfahren. Auf Grundlage dieser Gutachten werden Ausgleichsmaßnahmen erarbeitet, um unvermeidbare Eingriffe in Gewässer und Ökosysteme zu kompensieren. Zusätzlich nutzt der Stollen das natürliche Gefälle des Wassers und spart dadurch Energie, was die Umwelt entlastet.
- Wann beginnen die Bauarbeiten und wie lange dauern sie?
Nach dem Planfeststellungsbeschluss, der im Sommer 2026 erwartet wird, können die vorbereitenden Arbeiten starten. Der Vortrieb mit der Tunnelvortriebsmaschine und der Bau der Bauwerke sind von Mitte 2027 bis 2029 geplant, sodass die Inbetriebnahme des Stollens Ende 2029 erfolgt.

